Emmanuel Goldstein ist eine zentrale Figur im Roman „1984“ von George Orwell. Der Leser erfährt nicht, ob es sich um einen vom Regime erfundenen Staatsfeind oder um eine reale Person handelt. Sicher ist, Emmanuel Goldstein ist anders als die Welt, die wir im Roman erleben. Emmanuel Goldstein inspiriert. Unter seinem Namen will ich Gedanken sammeln, die in unserer Welt mehr Beachtung finden sollten.
„Links, rechts am Ziel vorbei … oder vielleicht doch nicht treffen wollen?
Stell Dir vor, man würde die Begriffe nach ihrer Bedeutung verwenden!“
In Deutschland gibt es zwei Bedeutungen für den Begriff „Rechtsextrem“!
Diese Tatsache ist weitgehend unbekannt. Dabei wäre es dringend erforderlich, dass in der politischen Diskussion jeder Teilnehmer klarstellt, welche Definitionen er den von ihm verwendeten Begriffen „rechts“ oder „rechtsextrem“ zu Grunde legt.
Da dies in der Regel nicht geschieht, haben wir es bei so gut wie allen entsprechenden Ausführungen oder Diskussionen mit einem Sonderfall im Sender-Empfänger Model von Claude E. Shannon und Warren Weaver zu tun. Sender und Empfänger verfügen in diesem Modell über verschiedene Zeichenvorräte. Im gewählten Medium, zum Beispiel Sprache oder Schrift, verschlüsselt der Sender die Nachricht, der Empfänger entschlüsselt sie. Kommunikation ist nur in dem Umfang möglich, wo die Zeichenvorräte von Sender und Empfänger übereinstimmen.
In der politischen Diskussion über Rechtsextremismus gilt in Deutschland der absurde Sonderfall, dass es in den Zeichenvorräten in der Regel keine Übereinstimmung gibt. Man benutzt die Begriffe unabhängig davon, wie der Zuhörer die Begriffe möglicherweise benutzt.
Das klassische Links/Rechts-Parteienschema entstand zu Beginn des 19. Jahrhunderts in der Französischen Nationalversammlung. Dort setzten sich – vom Parlamentspräsidenten aus gesehen – die Politiker, die Veränderungen wollten, auf die linke und jene Politiker, die keine Veränderungen wollten, auf die rechte Seite. Die Spektren reichten Links von „Wenig Veränderung“ bis „Viel Veränderung“ (= Linksextrem) und Rechts von „Bewahren mit leichten Anpassungen“ bis „Keinerlei Veränderung“ (= Rechtsextrem).
Schon damals gab es ein Klimaproblem. Man befand sich in den letzten Jahren der „Kleinen Eiszeit“. Schon damals gab es gesellschaftliche Probleme, die man nach heutigem Sprachgebrauch mit dem Begriff „sozial“ umschreiben würde. Nach der französischen Revolution war den Menschen das Thema „Veränderung“ jedoch so wichtig, dass sie die politischen Gruppierungen ihrer Zeit alleine nach diesem Kriterium klassifizierten.
Durch den Veränderungsschub der Französischen Revolution verloren in ganz Europa große Gruppen von Menschen althergebrachte Rechte und Privilegien. Überall in Europa formierten sie sich. In Spanien war diese Gruppe mit der Karlistischen Partei besonders bedeutend. Diese Gruppen standen noch weiter rechts als „Keinerlei Veränderung“. Sie wollten das Rad der Geschichte wieder zurückdrehen, hinter die Französische Revolution. Damit waren die Begriffe „links“, „rechts“, „linksextrem“ und „rechtsextrem“ im klassischen Parteienschema definiert.
Bedauerlicher Weise hielt sich die Verwaltung des Weimarer Reichstages bei der Sitzordnung im Reichstag nicht an dieses Schema. Eine Partei, deren erklärtes Ziel es war, Staat und Gesellschaft nicht nur zu verändern, sondern vollständig umzukrempeln erhielt ihre Sitze ganz außen rechts obwohl ihr Vorsitzender nie einen Zweifel an seinen Absichten ließ: „Gebt mir vier Jahre Zeit und Ihr werdet Deutschland nicht wiedererkennen!“
1933 kam diese Partei an die Regierung und setzte ihr Programm um. Alle Lebensbereiche der deutschen Bevölkerung wurden vollständig umgekrempelt, von der Erziehung bis zur Wirtschaftspolitik. Diese Partei, die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei war nach dem klassischen Parteienschema eine linke Partei. Nichts wollte sie belassen wie es war, alles wollte sie verändern, bis hin zur Heraldik. Die deutsche Heraldik bietet einen regelrechten Zoo an Wappentieren, ein Lehrbuch für Geometrie an Formen und eine Vielzahl an Gegenständen. Die Nationalsozialisten entschieden sich aber für ein internationales Sonnenzeichen, das vor allem im asiatischen Raum, aber nicht nur dort, gebräuchlich war.
Es ist völlig korrekt, die Nationalsozialisten als „rechtsextrem“ zu bezeichnen, denn sie saßen im Reichstag der Weimarer Republik auf der rechten Seite ganz außen. Um mit diesem Begriff allerdings zielführend umzugehen, ist es unerlässlich, klarzustellen, dass man diesen Begriff nicht gemäß des klassischen Parteienschemas nach der französischen Nationalversammlung zu Beginn des 19. Jahrhunderts, sondern gemäß der Sitzordnung im Reichstag der Weimarer Republik verwendet.
Unterlässt man diese Klarstellung, dann sendet man einen Begriff, der beim Empfänger entweder mit der einen oder mit der anderen Bedeutung aufgenommen wird. Dies nimmt der Kommunikation den Sinn und verhindert eine zielgerichtete interaktive Weiterentwicklung der Gedanken. Aber genau aus diesem Grund unterlässt man die erforderliche Klarstellung, denn die Diskussion über „Rechtextremismus“ soll ja an diesem Ziel vorbeigehen.
Der Nationalsozialismus unterliegt bei der überwältigenden Mehrheit der autochthonen Bevölkerung in der westlichen Welt einer negativen Bewertung. Um den Begriff „Sozialismus“ vom Begriff „Nationalsozialismus“ abzusetzen, gingen eben jene Sozialisten dazu über, anstelle von Nationalsozialismus von Rechtsextremismus zu sprechen.
Das hat den zusätzlichen Vorteil, dass der Begriff „Rechts“ in Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus gebracht wird. Diese Änderung der Sprachregelung fand in den 1970er Jahren statt. Ich lernte diese Begriffe in der Schule noch in ihrer sachlich richtigen Bedeutung. „Rechtsextrem“ war der rückwärtsgewandte Systemkonservative. Die Mehrheit meiner Altersgenossen hatte das aber bereits anders beigebracht bekommen.
Einer meiner Klassenkameraden nahm damals am Auswahlverfahren für den Polizeidienst teil. Er berichtete mir, dass bei einem Gruppentest die Frage nach der politischen Einordnung von Stauffenberg gestellt worden war. Er meinte, dass er der einzige Teilnehmer gewesen wäre, der diese Frage richtig beantwortet hätte. Alle anderen Bewerber schlossen aus der Tatsache, dass Hitler ja ein „Rechter“ war, dass Stauffenberg folglich ein „Linker“ gewesen sein musste.
Das Kalkül hinter dieser „Sprachregelung“ ist klar. Nicht der Begriff „Sozialismus“ soll von der negativen Bewertung des Nationalsozialismus in Mitleidenschaft gezogen werden, sondern der Begriff „Rechts“, obwohl der Begriff „Rechts“ inhaltlich nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun hat, außer der besagten Sitzordnung.
Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, sollten Sie bei einem politischen Gespräch nicht an Hetze und Diffamierungen, sondern an einer zielgerichteten Weiterentwicklung der Gedanken interessiert sein, bitte bestehen Sie darauf, dass man die Begriffe nach ihrer jeweiligen Bedeutung verwendet.
Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei ging aus der
okkulten Thule-Gesellschaft hervor
R. Carmin untersucht in seinem Buch „Das schwarze Reich“ den Ursprung der NSDAP.
Ich zitiere die folgenden Passagen aus dem Nachdruck des Buches, Hamburg 2002.
„Allmählich begann Sebottendorf die Spreu vom Weizen zu trennen und tat zunächst, was in ähnlichen Gesellschaften allgemein üblich war: Er weihte etliche Auserlesene in die tieferen Geheimnisse der Thule-Gesellschaft ein, in den ersten Grad, den sogenannten Freundschaftsgrad. Die erste Weiheloge fand am 17. Ernsting statt, was gleichviel bedeutet wie 17. August [1918]. Sogar die Großlogenmeister von Berlin kamen zu diesem Ereignis nach München angereist, es ging feierlich zu: ‚Am Sonntage wurden dreißig Brüder und Schwestern in den ersten Grad feierlich aufgenommen. Es waren darunter Mitglieder aus ganz Bayern, die zu diesem Zweck nach München gekommen waren. Den Schmuck der Logenräume hatte Meister Griehl übernommen, der das Wahrzeichen der Thule-Gesellschaft, das fliegende Sonnenrad, in allen Räumen anbrachte. Jedes Mitglied trug eine Bronzenadel, die auf dem Schilde das von zwei Speeren durchkreuzte Hakenkreuz zeigte.‘
Für die solcherart Eingeweihten, die dem Meister absolute Treue zu schwören hatten und während der Einweihungszeremonie symbolisch ihre Rückkehr als verirrte Arier zum wahren deutschen Halgadom zelebrierten, mag das ein erbauendes und erhebendes Gefühl gewesen sein. Doch sie waren nur Fußvolk. Denn mittlerweile war der Thule-Orden gegründet worden, in den nur wirklich Eingeweihte Aufnahme fanden, die auch schon auf okkultem Gebiet einige Erfahrung aufzuweisen hatten. Es liegt überdies die Vermutung nahe, dass hier Sebottendorfs Rolle eher bedeutungslos war oder bald werden sollte.
Einige der ersten wichtigen Mitglieder des Thule-Ordens waren die Wiener Guido von List und Lanz von Liebenfels, denen man fürwahr nicht abstreiten konnte, daß sie bereits ausreichend okkultpolitische Arbeit geleistet hätten. Sie hatten anfänglich sogar die Funktionen von Ordensgroßmeister und Ordensmeister inne. Unmittelbar aus der Thule-Gesellschaft stieß der Reichstagsabgeordnete a.D. Professor Feder dazu. Ihnen dürfte um 1919 der Sozialdemokrat, Antisemit, Pornographieliebhaber und Lehrer von Beruf, Julius Streicher, ferner Rudolf Heß und dessen Lehrer Karl Haushofer sowie der spätere Reichsrechtsführer Dr. Hans Frank, Sohn eines jüdischen Rechtsanwaltes aus Bamberg, der Schriftsteller Dietrich Eckart und Dipl.-Ing. Alfred Rosenberger gefolgt sein. Mehrere NS-Prominente wie Adolf Hitler, Heinrich Himmler, Hermann Göring und Hitlers Beichtvater, Otto Engelbrecht, stießen zwar ebenfalls schon zu diesem Zeitpunkt zur Thule-Gesellschaft oder zu ihr Nahestehenden Kreisen, ihre eigentliche Aufnahme n den innersten Kreis des Ordens scheint aber nicht vor 1920 erfolgt zu sein.
Das Fußvolk von Thule wäre überdies sehr erstaunt über die Oberarier der höchsten Grade gewesen, wenn man bedenkt, daß sie selbst ihre ‚reinrassige‘ Herkunft bis zu ihren sämtlichen Urgroßeltern nachzuweisen hatten. Im Thule-Orden indessen galt von vornherein, was Hermann Göring später ganz offen sagte: ‘Wer Jude ist, bestimme ich!‘ Denn ihnen, den Eingeweihten, ging es im Grunde genommen weder um die Deutschen noch um die Juden. Beide waren Material, Transmitter auf dem Weg zum Reich der Übermenschen, Material angewandter Magie, beide auf ihre Weise; die einen als Werkzeug zur Erreichung des Ziels, die anderen als notwendiger Feindbegriff nicht einmal persönlicher Natur, der letztlich alles in sich einschloß, was, zumindest nach außen hin, gegen sie und nicht mit ihnen war: (…) (Seite 63 – 64)
Die Räumlichkeiten der Thule betrat Hitler zum ersten Mal am 13. November 1919, als die DAP einen propagandistischen Großkampftag vorbereitete. Hitler war einer der vorgesehenen Redner und legte sich dabei richtig ins Zeug, danach wußte er: „Ich konnte reden!“ Der politische Nachrichtendienst der Münchner Polizeidirektion, die die angeblich so unbedeutende Gesellschaft auch schon längst beobachtete, protokollierte unter dem 13. November, der Kaufmann Hitler habe sich seines Themas Brest-Litowsk und Versailles in meisterhafter Weise entledigt und werde berufsmäßiger Werberedner. Jetzt wurde er offiziell zum Propagandaleiter der DAP ernannt, allerdings noch nebenberuflich, er war noch immer Soldat, und die Einladungen für die DAP-Versammlungen tippte er in der Kaserne auf der Kompanieschreibmaschine.
Kein Zweifel, Hitler war talentiert. Der ‚Österreicher mit dem großen Maul‘ erwies sich als der richtige Demagoge für die DAP, mit der die Thule-Gesellschaft auf Arbeiterfang gegangen war. Die Schlagworte waren ihm vorgegeben – sie lagen ohnehin in der Luft und wurden zudem pausenlos im Münchner Beobachter wiederholt, der übrigens bereits seit dem 9. August mit einer Reichsausgabe als Völkischer Beobachter erschien: ‘Es sollte nicht übersehen werden, daß die ersten Ansätze der nationalsozialistischen Weltanschauung in den politischen Ideen der Deutschen Arbeiterpartei bereits vorgeformt waren. Die überlieferten Zeugnisse aus Hitlers Tätigkeit zeigen keine sachlichen Gegensätze zu den politischen Vorstellungen der DAP-Gründer‘, vermerkt Wolfgang Horn (Der Marsch zur Machtergreifung). Wie sollten sie auch, schließlich hatte Hitler während seiner Spitzelausbildung bei Thule-Bruder Feder gelernt. Es war damals wie in der späten NS-Zeit das handliche Schlagwortvokabular, das mit wenigen und einprägsamen Strichen eine bessere Zukunft versprach und alles Übel und Undeutsche auf den griffigen Feindbegriff Jude brachte. Und Hitler verstand es in der Tat, Angelesenes und Aufgelesenes und Halbverarbeitetes ohne jede intellektuelle Hemmung zusammenzuzwingen und als suggestiv überaus wirksame verbale Wurfgeschosse seinen Zuhörern an den Kopf zu schleudern.
Nun offensichtlich hatte Hitler am 13. November in den Räumen der Thule seine Prüfung bestanden, und von diesem Augenblick an nahmen sich seiner führende Mitglieder des Thule-Ordens an, um aus ihm den Führer zu machen, als der er das ‚Reich’ begründen sollte. Man mag sich tatsächlich fragen, warum die Thule und die Deutsche Arbeiterpartei ausgerechnet auf einen Mann wie Hitler kamen und warum sie überhaupt von der Prämisse ausgingen, dass das ‚Reich der Zukunft‘ nur unter der Führung ‚eines starken Mannes’, eines Fuhrers eben, aufgebaut werden könnte. Doch die Führer-Erwartung der DAP, die zuweilen als Indiz für die ‚Hilflosigkeit‘ angesehen wird, ‚mit der sie den politischen Veränderungen der Nachkriegszeit gegenüber stand‘ (Wolfgang Horn), hat System.
Das Rätsel um die heute noch die NS-Forschung verblüffende Kenntnis Hitlers der ‚Psychologie der Massen‘ läßt sich durchaus lösen, wenn man sich den okkult-esoterischen Hintergrund der Thule-Gesellschaft vor Augen führt. Der eine mag es Magie nennen, der andere angewandte Psychologie, was auf dem Schulungsprogramm der höheren Grade steht und stand. (…) (Seite 88 – 89)
Zu dem Zeitpunkt, als die NSDAP endlich an die Öffentlichkeit ging und sich abzeichnete, dass mit Hitler der richtige Mann gefunden war, schien es auch für den Freiherrn von Sebottendorf an der Zeit, Thule zu liquidieren. Während Hitlers Abwesenheit nach dem Kapp-Debakel begann Sebottendorf aus dem Hintergrund den Besitz des Völkischen Beobachters, seit eh und je propagandistisches Sammelblatt für sämtliche Thule-Kinder DAP, DSP, NSDAV und NSDAP, von der Thule-Gesellschaft zu trennen und der Partei zuzuschieben. Am 20. März 1920 wurde die Liste der Teilhaber am Verlag des Beobachters um mehrere Personen, darunter Gottfried Feder und Freiherr Franz von Feilitsch, erweitert. Im Dezember 1920 zeichnete dann auch NSDAP-Vorsitzender Anton Drexler neben Käthe Bierbaumer als Gesellschafter. Es war also keineswegs so, daß Hitler von heute auf morgen den Beobachter für die Bewegung gekauft hätte. Erst am 16.November 1921, und nicht schon 1920, wie vielfach kolportiert, erschien im Registeramt des Amtsgerichts München der österreichische Schriftsteller Adolf Hitler als Vorsitzender der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei und erklärte, alle Anteile an Verlag und Zeitung zu besitzen. Er setzte Josef Pickl als Geschäftsführer des Völkischen Beobachters und seinen ehemaligen Feldwebel Max Amann als Leiter des Verlages Franz Eher & Nachfolger ein. Dietrich Eckart wurde zum verantwortlichen Schriftleiter des Völkischen Beobachters bestellt.
Erst jetzt war die Nabelschnur zur Thule-Mutter durchtrennt. Sebottendorf verschwand von der Bildfläche, um kurz nach der Machtübernahme Hitlers nochmals in Berlin aufzutauchen, wo er eine Jubel-Loge abhielt.
Die Thule-Gesellschaft, die Fußvolkorganisation des Ordens, trat noch einmal propagandistisch in Erscheinung, nachdem im November 1923 die NSDAP zerschlagen worden war. 1930 schließlich wurde die Gesellschaft endgültig als Verein gelöscht, weil es keine Mitglieder mehr gab: Es gab ja die NSDAP und die SS. (…)“ (Seite 96 – 97)
Exodus – oder für die Freiheit ins Risiko
Freiheit ist eines der zentralen Themen der Bibel. Die Bibel ist mit Sicherheit das älteste Buch, das sich diesem Thema widmet, vielleicht auch das vollständigste und das umfangreichste überhaupt. Deshalb stehen alle Menschen, Regime und Ideologien die die Freiheit einschränken wollen, der biblischen Botschaft grundsätzlich feindselig gegenüber.
So erklärt die biblische Geschichte von Adam und Eva zum Beispiel, dass Gott den Menschen Freiheit gegeben hat und zwar so weitreichend, dass sie sogar die Freiheit haben, sich gegen Gott zu entscheiden oder sich gegen ihn aufzulehnen. Die Geschichte zeigt aber auch auf, dass die Möglichkeit der freien Entscheidung die Gefahr birgt, sich falsch zu entscheiden.
Der Auszug des Volkes Israel aus Ägypten war die größte physische Befreiungsaktion der Geschichte. Aber der biblische Bericht ist kein Heldenepos, er ist ehrlich. Er beleuchtet alle Seiten dieser Befreiungsaktion, denn Freiheit bedeutet auch Risiko.
Kaum war das Volk Israel in Freiheit, schon drohte Lebensgefahr. Die Reaktion darauf war nur allzu verständlich:
„Und sie sagten zu Mose: Hast du uns etwa deshalb weggeführt, damit wir in der Wüste sterben, weil es in Ägypten keine Gräber gab? Warum hast du uns das angetan, dass du uns aus Ägypten herausgeführt hast? Ist dies nicht das Wort, das wir schon in Ägypten zu dir geredet haben: Lass ab von uns, wir wollen den Ägyptern dienen? Es wäre nämlich besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben.“ (2. Buch Mose, Kapitel 14, Verse 11 bis 13)
Sobald es zu Subsistenzproblemen kam, begannen die erst kürzlich Befreiten zu überlegen, ob es nicht vielleicht doch besser gewesen wäre, etwas weniger Freiheit zu haben und dafür auch ein etwas geringeres Risiko eingegangen zu sein:
„Da murrte die ganze Gemeinde der Söhne Israel gegen Mose und Aaron in der Wüste. Und die Söhne Israel sagten zu ihnen: Wären wir doch durch die Hand des HERRN im Land Ägypten gestorben, als wir bei den Fleischtöpfen saßen, als wir Brot aßen bis zur Sättigung! Denn ihr habt uns in diese Wüste herausgeführt, um diese ganze Versammlung an Hunger sterben zu lassen.“ (2. Buch Mose, Kapitel 16, Verse 2 und 3)
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, die Frage „Zu wie viel Freiheit bin ich bereit?“ muss sich grundsätzlich jede und jeder von uns stellen, denn für jede Bürgerin und für jeden Bürger der Bundesrepublik Deutschland gilt Artikel 20, Grundgesetz:
(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.
(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.
(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.
(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.
Es kann aber auch sein, dass andere diese Frage an uns stellen: „Zu wie viel Freiheit sind Sie bereit?“, so geschehen durch Covid 19. Dann sind wir mit der Antwort am Zug.
Die Regierungen im Bund und in den Bundesländern begründen die Aussetzung der Grundrechte zur Eindämmung der Covid 19 Pandemie mit dem Recht auf Leben (Artikel 2, Absatz 2, Grundgesetz) der möglichen Opfer einer Infektion mit Covid 19.
Damit kehren sie die bisher gültige Werteordnung um. Bislang galt in der Bundesrepublik Deutschland genau das Gegenteil. Alle Grundrechte wurden über das Recht auf Leben gestellt. Bundeswehrangehörige gingen und gehen mit ihrem Dienstantritt ein Lebensrisiko ein. Über das Recht auf Leben der Bundeswehrsoldatin und des Bundeswehrsoldaten wurden bisher die restlichen Grundrechte ausdrücklich gestellt, denn die Eides- bzw. die Gelöbnisformel der Bundeswehr lautet:
„Ich schwöre, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen, so wahr mir Gott helfe.“
(Eidesformel für Berufssoldaten und Soldaten auf Zeit)
„Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.“
(Gelöbnisformel für Wehrpflichtige Soldaten)
Die Umkehr der Werteordnung erfolgte durch Gesetze und Verordnungen. Die Folge ist eine Ungleichbehandlung von Soldatinnen bzw. Soldaten und möglichen Opfern des Covid 19. Laut Artikel 3, Absatz 1 Grundgesetz – „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“ – ist das nicht zulässig. Es besteht dringender Handlungsbedarf. Doppelter Handlungsbedarf bestünde, falls die Politik hier keinen Handlungsbedarf sehen sollte.
Die Frage ist also gestellt: „Zu wieviel Freiheit bin ich bereit?“
… oder dann vielleicht doch lieber zurück nach Ägypten?
Veritas liberabit vos – Die Wahrheit wird euch frei machen
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, ich empfehle Ihnen diesen Aufruf von Erzbischof Carlo Maria Viganò dringend zur Lektüre. Auch Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat ihn unterzeichnet. Sie finden ihn mit dem folgenden Link:
Aufruf – an die Kirche und die Welt – VERITAS LIBERABIT VOS.pdf